THE METAVERSE

THE METAVERSE

VON CARMELA MELONE
(Veröffentlicht in THE GAZETTE Ausgabe 01 im November 2022)

Was genau ist Metaverse und welche Potenziale und Chancen eröffnen sich für Unternehmen? Wir tragen die wichtigsten Informationen und Erkenntnisse zusammen und klären die Frage: nur wieder ein neuer Hype oder The Next Big Thing?

Der Begriff „Metaverse“ ist dem ein oder anderen im vergangenen Jahr sicherlich bereits einige Male untergekommen. Google Trends zeigt, dass vor allem zwischen Oktober 2021 und April 2022 aktiv nach Metaverse gesucht wurde. Die Inhalte, die eine solche Suche ergibt, behandeln allerdings sehr unterschiedliche Themen und Kontexte. Das macht es so schwierig, das Konzept zu greifen und zu verstehen. Schlagzeilen wie „Metaverse kostet Zuckerberg 71 Milliarden Dollar“ (veröffentlicht auf welt.de am 22. September 2022) konkurrieren mit „Wie Luxusmarken ins Metaversum aufbrechen“ (manager-magazin.de vom 9. September 2022). Risiken und Potenziale geben sich quasi die Klinke in die Hand und verursachen vor allen Dingen Unsicherheit und Zurückhaltung. Zumal kaum jemand so genau zu wissen scheint, was dieses Metaverse oder Metaversum überhaupt ist. Eine gemeinsame Studie von TeamViewer und Civey hat ergeben, dass rund 70 Prozent der Befragten, denen der Begriff Metaverse geläufig ist, ein (eher) schlechtes Verständnis vom Metaverse haben. Das ist auch kein Wunder, denn Definitionen von Metaverse beinhalten häufig nur noch mehr neue Begriffe wie Web3, Blockchain, Kryptowährung und NFT.

Die eingängigste Beschreibung ist, dass die Idee des Metaverse eine Art 3-D-Internet ist, das sich um unsere physische Welt legt und alle digitalen Technologien umspannt. Das Besondere am Metaverse ist, dass es von einer Vielzahl an Unternehmen wie Microsoft und Meta vorangetrieben wird und damit in seiner Entwicklung nicht von einem einzigen Anbieter abhängt. Die zugrunde liegende Technologie ist dezentral angelegt und wird vor allem durch das Web3 unterstützt. Transaktionen im Metaverse werden über Blockchain-Technologien abgewickelt, und Gegenstand von Transaktionen sind meist NFTs, die den digitalen Besitz an einem immateriellen Gut beschreiben. Die eindeutige Zuordnung des Besitzes über die Blockchain ermöglicht absolute Transparenz und Sicherheit. Ein weiterer Aspekt des Metaverse ist die sogenannte Extended Reality, die die altbekannten Konzepte von Augmented und Virtual Reality umfasst und eine Technologie beschreibt, die die physische Welt mit der virtuellen verbindet.

Die Umgebung für das Metaverse bieten Plattformen wie Decentraland, HorizonWorlds, Animal Crossing, RecRoom, Roblox oder The Sandbox. Daneben entwickeln sich mehrere kleinere Plattformen wie rooom, auch speziell für den B2B-Bereich.

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Aktuelle Entwicklungen

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Während die Umbenennung von Facebook zu Meta und die kostspieligen Investitionen des Konzerns in Metaverse-Initiativen die Schlagzeilen beherrschen, bereiten sich auch andere Tech-Giganten auf das neue virtuelle Zeitalter vor. Laut Matthew Ball – Metaverse-Experte, Buchautor, Investor und Senior Advisor bei McKinsey & Company, um nur ein paar seiner Rollen zu nennen – gibt es bei Amazon, Apple, Google, Microsoft, Nvidia und Tencent interne Veränderungen, die klare Hinweise auf die langfristigen Strategien der Unternehmen geben sollen. In einem Beitrag für das Time Magazine schreibt er, dass es in diesen Unternehmen derzeit Umstrukturierungen gibt, dass Stellen neu definiert und neue Produktstrategien entwickelt und auf den Weg gebracht werden. Im Januar gab Microsoft etwa die Akquisition von Activision Blizzard bekannt – für unglaubliche 75 Milliarden US-Dollar, laut Ball die größte Übernahme, die es je in der Geschichte des Big Tech gab. Der Grund: Gaming-Riese Activision Blizzard soll dazu beitragen, den Grundstein für das Metaverse zu legen.

Wie genau die Zukunft des Metaverse aussehen wird, weiß niemand – Fakt ist aber, dass es bereits für sehr viele Menschen Alltag ist. Laut Bell loggen sich täglich fast einhundert Millionen Menschen auf die großen Metaverse-Plattformen ein. Im Oktober 2021 hielt Roblox das erste rein virtuelle Musikfestival ab, und mehr als 500.000 Besucher nahmen teil. Aber auch echte Größen der Musikbranche wie Ariana Grande oder Coldplay gaben sich schon rein virtuell die Ehre und sorgten mit ihren Auftritten für Verschnaufpausen im Lockdown.

Und auch der Bildungssektor könnte stark vom Metaverse profitieren. Selbst wenn die Fortschritte in der schulischen Bildung lange auf sich haben warten lassen und auch während der Pandemie in manchen Schulen eher schlecht als recht in das 21. Jahrhundert gestolpert wurde, sind die Potenziale groß – das gilt für die Schule ebenso wie für das Studium und Weiterbildungsangebote. Ob virtuelle Vorlesungen, Testoperationen für angehende Studenten und Studentinnen oder Besuche auf dem digitalen Zwilling des Mars: die Mehrwerte, die hier geschaffen werden können, sind enorm.

Auch in der echten Medizin gibt es bereits Vorstöße: So haben bereits 2021 Neurochirurgen des Johns-Hopkins-Krankenhauses die erste AR-basierte Operation durchgeführt.

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Wie können Unternehmen das Metaverse für sich nutzen?

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Vielen Unternehmen stellt sich allerdings die Frage, warum ausgerechnet sie sich mit dem Thema Metaverse überhaupt beschäftigen sollen. Dabei gibt es tatsächlich schon einige Beispiele für Unternehmen, die das Metaverse bereits für unterschiedliche Kampagnen oder Anwendungen erfolgreich für sich nutzen. Ganz vorne mit dabei ist die Mode- und Beautybranche. Gucci hat beispielsweise gleich eine ganze Stadt auf Roblox erbaut – in Gucci Town können Interessierte etwas über die Geschichte des Modehauses lernen, sich mit anderen Fashionistas austauschen, Kunstaustellungen besuchen und natürlich digitale Gucci-Produkte erwerben, um den eigenen Roblox-Avatar aufzuhübschen. Creative Director Alessandro Michele arbeitet zudem mit dem digitalen Künstler Wagmi-san für die neue Kollektion 10KTF x GUCCI zusammen, die eine kreative Reise von Rom nach New Tokyo verbildlichen soll. Gemeinsam mit dem virtuellen Accessoire-Shop 10KTF hat Gucci digitale Outfits kreiert, um sogenannte PFPs (Picture For Proof) von elf ausgewählten NFTs zu kleiden, darunter Bored Ape, World of Women und Cool Cats. PFPs bezeichnen die NFT-Versionen von Profilfotos. Einen ganz anderen Weg geht Sephora: In ihrem SEPHORiA: Virtual House of Beauty bieten sie Live-Events an mit Tutorials, Demos, Q&As, Spielen, Preisausschreibungen und vielem mehr.

Virtuelle Produkte für Avatare zu verkaufen ist also nur eine von unendlich vielen Möglichkeiten. Das Beispiel von Sephora zeigt, dass das Metaverse eine sehr gute Option sein kann, um mit (potenziellen) Kunden aus aller Welt in Kontakt zu treten, die eigene Marke, Werte und Visionen zu teilen und damit einerseits neue Kunden anzusprechen und andererseits die eigene Markenbildung und existierende Kunden- und Partnerbeziehungen zu stärken. Das Konzept der virtuellen Zusammenkunft lässt sich auch auf interne Veranstaltungen übertragen – ganze Bürokomplexe könnten im Metaverse entstehen und selbst internationale Teams an einem Ort zusammenbringen. Wer heute bereits Interesse an einem virtuellen Gebäude hat, sollte sich jedoch beeilen, denn die Grundstückspreise auf den populären Metaverse-Plattformen gehen bereits durch die Decke. Produktdemos und Pitches können im Metaverse stattfinden, und der Kundenservice kann besonders persönlich und direkt gestaltet werden. Auch virtuelle Plakate in Spielen oder Sponsoring und Flyer auf Konzerten im Metaverse sind ganz neue Ideen für das Marketing und geben wichtige Impulse zur Definition eines neuen Customer Life Cycles.

Auch in der Fertigung und dem Maschinenbau beispielsweise sind ebenfalls bereits innovative neue Technologien im Einsatz, die die physische mit der virtuellen Welt verbinden. Virtuelle Fabriken, die mit digitalen Zwillingen arbeiten, gibt es bereits – so arbeitet BMW mit Nvidia zusammen, um die Effizienz in der Produktion weiter zu steigern. Aber damit nicht genug: Mit JOYTOPIA hat BMW eine eigene Metaverse-Plattform geschaffen, die von niemand Geringerem als Christoph Waltz moderiert wird und die Einblicke in Themenfelder wie Technologie, Design, Nachhaltigkeit, Materialien und mehr gibt.

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Das Metaverse wird kommen

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Gartner schätzt, dass bis zum Jahr 2026 ein Viertel aller Menschen zumindest eine Stunde am Tag im Metaverse verbringen werden – sei es für die Arbeit, zum Shoppen, zum Lernen und Studieren, für soziale Medien oder einfach für die Unterhaltung. Für viele Menschen mag die Vorstellung noch befremdlich sein, sich mit anderen in virtuellen Räumen zu treffen und digitale Güter zu kaufen. Die massiven Investments, die in diesen Bereichen jedoch getätigt werden, zeigen, dass die Tech-Industrie intensiv daran arbeitet, dass genau das unsere Zukunft wird. Und genau wie das Internet anfangs noch eher ein Ort für Geeks war, wird auch das Metaverse intuitiver, greifbarer und unumgänglich werden für viele Bereiche unseres Lebens, wo es uns bald als absolut sinnvoll erscheinen wird.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich Breitband- und Hardware-Technologien weiterhin verbessern und die Einstiegshürden in das Metaverse senken. Je besser, leistungsfähiger, ruckelfreier und kleiner VR-Brillen und andere Devices werden, desto wahrscheinlicher ist auch deren breite Nutzung.

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Über The Metaverse: 

In seinem Buch „The Metaverse – And How It Will Revolutionize Everything“ beschreibt Matthew Ball die Entwicklungen des Metaverse und welche Effekte die Technologie, Gesellschaft und Kreativität auf die Zukunft unserer digitalen Welt haben werden.

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Picture credit © Gucci.


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